Industriehof. Gedanken haben eine große Macht, die oft unterschätzt wird. Sie beeinflussen unser Leben stark, so der Mentaltrainer Graham Rogers. Sowohl im Positiven wie im Negativen. Das Motto des gebürtigen Briten: sei selbstbewusst. «Dann überwinden wir leichter Ängste und Hemmungen, meistern leichter Rückschläge und Ängste. Auch im Berufsleben.» Um diese Ideen unter Mitarbeitern aus der Wirtschaft stärker bewusst zu machen, rief Rogers gemeinsam mit seinen zwei Kolleginnen, Brigitte Hettenkofer und Elisabeth Lübberstedt-Hobohm, die Veranstaltungsreihe «Montags-Katalysator» ins Leben. Mit einem Vortrag über die Erkenntnisse der jüngsten Forschung, wie unser Gehirn arbeitet, startete die Reihe nun in ihr zweites Jahr. Welche Kraft die eigene Vorstellung habe, zeige das Leben des Wiener Arztes Viktor Frankl, erläutert Hettenkofer in ihrem Vortrag «Management by Imagination. Wie innere Bilder die äußere Welt beeinflussen.» Als Jude von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager gesperrt und zur Zwangsarbeit gezwungen, sei Frankl irgendwann am Ende seiner Kräfte gewesen. «Die Kraft zu überleben, schöpfte er aus einem Bild, das sein Gehirn kreierte: Wenn Du das alles hinter dir hast, stehst du in einem großen Saal und erzählst den Menschen, was du hier erlebt hast.» Nur so habe er die Strapazen ertragen können.
Parallelen dazu, so Hettenkofer, kenne sie aus ihrer Arbeit mit Krebspatienten. «Wenn die Betroffenen erleben, dass das Leben einen Sinn hat, steigen die Genesungschancen.» Dass die eigenen Gedanken Einfluss auf unser Gehirn habe, belege auch die neueste Hirnforschung. «Bis zum Beginn der 90er Jahre hat man noch geglaubt, mit dem Ende der Pubertät sei das Gehirn ausgereift. Heute wissen wir: Das Gehirn ist bis ins hohe Alter hinein programmierbar.»
Mit Hilfe der Computertomographie könne man heute sehr genau beobachten, was im Gehirn vor sich gehe. «Bei einer Studie mit Jugendlichen in England fanden Forscher heraus, dass durch das viele Verschicken von SMS per Handy jener Teil des Gehirns wächst, der den rechten Daumen steuert.» Weil die Jugendlichen mit diesem Daumen ihre Texte schrieben. Ähnlich könne man auch das eigene Verhalten in Stresssituation etwa im Arbeitsleben ändern, indem man das Gehirn durch bewusst kreierte innere Bilder umprogrammiere.
«Unsere Absicht ist es, den Mitarbeitern aus der Wirtschaft spirituelle Themen nahe zu bringen», erläutert Hettenkofer das Konzept der immer am zweiten Montag eines Monats in der Fitness Lounge, Elbinger Straße 7, stattfindenden Treffen. Aber nicht als abgehobene esoterische Ideen. «Es geht uns darum, den Menschen einfache Techniken und Übungen nahe zu bringen, die sie im Berufsleben erfolgreich umsetzen können.» Etwa zur Stressbewältigung.
«Unser Vorteil ist: Wir kommen selbst alle drei aus der IT-Branche und der Wirtschaft», sagt der gelernte Informatiker Rogers. Kennen gelernt hätten sie sich bei einem Informatiker-Stammtisch. «Ich selbst arbeite seit 25 Jahren mit Computern, beschäftige mich seit 20 Jahren mit Persönlichkeitstraining.»
Nach dem Theologiestudium habe sie sich zur Therapeutin weiterbilden lassen und arbeite heute vor allem als Therapeutin in Krankenhäusern, erklärt Hettenkofer. Die Diplominformatikerin und Diplompsychologin Lübberstedt-Hobohm kam 1998 nach Frankfurt. «Über den Bauchtanz wurde ich auf esoterische Themen aufmerksam, besuchte gezielt Seminare, die ich für mich verwenden konnte.»
Die Idee einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe sei auf einem Seminar aufgekommen, das Rogers im Februar 2004 gehalten habe. «Mich sprach die Idee, etwas speziell für Menschen aus der Wirtschaft anzubieten, sofort an», erinnert sich Lübberstedt-Hobohm. Und auch Frau Hettenkofer sei sofort begeistert gewesen. «Die Veranstaltungen sollen Appetit auf mehr machen, nicht in die Tiefe gehen», sagt Rogers.
Printausgabe vom 11.01.2006
Mentaltrainer zeigt, wie das Gehirn funktioniert
